In den Freisinger Tanzstudios können die Teilnehmer nicht nur Tango und Walzer lernen - auch ganz unterschiedliche Fitnesskurse zählen zum Angebot und wollen Spaß an der Bewegung vermitteln

Von Clara Lipkowski, Freising (mit freundlicher Genehmigung der Süddeutschen Zeitung)Hiphop4

Wenn das Wetter wärmer und die Kleider leichter werden, haben es viele plötzlich eilig mit der Strandfigur. Wem das Gewichte stemmen im Fitnessstudio zu eintönig ist, kann in Freising tänzerisch fit werden - ganz ohne Vorkenntnisse. Die SZ stellt drei Kurse in drei Tanzschulen vor, in denen gemeinsames Schwitzen ausdrücklich erwünscht ist.

Tanzsportzentrum Freising

Im "Grünen Saal" des Tanzsportzentrums in Attaching vertreten sich am Mittwochabend sieben junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren und ein Jugendlicher von etwa 15 Jahren die Beine. Sie warten fröstelnd darauf, dass Trainer Benedikt Mordstein den Kurs "Fit for Dance" beginnt. Draußen herrschen an diesem sonnigen Tag nur wenige Grad über Null.

Es geht los. Der Tanzlehrer schaltet melodische Mainstreammusik ein und stellt sich vor der kleinen Spiegelwand auf. Die Tänzerinnen postieren sich im mehr als 200 Quadratmeter großen Raum hinter ihm und folgen seinen Bewegungen. Mordstein tanzt einen Schritt von links nach rechts als Grundbewegung. Immer im Takt zur eingängigen Musik. Dann bewegt er die Schultern dazu, erst die rechte, dann die linke und die Teilnehmer tun es ihm gleich. Kurz darauf hebt er die Arme seitlich parallel zum Boden und bewegt den Oberkörper rhythmisch erst zur einen, dann zur anderen Seite. Eigentlich ganz leicht. Aber nach wenigen Übungen wird klar: Das hier wird kein Spaß. Denn Mordstein führt die Übungen sehr lange aus und wiederholt sie mindestens drei Mal. Nach der fünften Übung fangen die Ersten an zu schnaufen. "Weitermachen!", ruft Mordstein und lacht, als zwei Teilnehmerinnen bei einer Armübung aufgeben. Und meint, "na los, das schafft ihr", bei einer anderen.

Nach einer Stunde Training mit 30 Liegestützen, 50 Sit-ups und mindestens 20 Ausfallschritten sind die T-Shirts der Teilnehmer durchgeschwitzt, die Köpfe rot und fast außer Atem. "Mein Kurs ist eher ein Workout für das Tanzen als ein Tanzkurs", sagt Mordstein davon unbeeindruckt. Er ist ausgebildeter Tanzlehrer und Tänzer für Breakdance. Mit 22 Jahren hält er zehn verschiedene Guinness-Weltrekorde, unter anderem in der Kategorie "die meisten aufeinanderfolgenden Ellbogen-Sprünge".

Er wolle auch Menschen, die wenig mit Tanz zu tun haben, Spaß an der Bewegung vermitteln, sagt Mordstein. Deswegen lege er Wert auf Musik, die einen klaren Rhythmus hat, damit jeder leicht folgen kann. "Außerdem soll sie gute Laune machen." Und gute Laune haben die Kursteilnehmer, denn nach dieser Stunde spüren sie, was sie getan haben.

 

Tanzwerkstatt

Zum Wachwerden ein paar mal die Arme von vorne nach hinten kreisen, dann zur Seite öffnen, halten und langsam ins Grand-plié, also möglichst elegant in die Hocke gehen. Es ist ein kalter, verregneter Dienstagmorgen in der Tanzwerkstatt in der Freisinger Altstadt, aber die acht Kursteilnehmerinnen des "Bewegungstrainings" achten nicht auf das Wetter - sie folgen konzentriert den Bewegungen der Tanzlehrerin Christina Ashton. "Po rein und spürt die Zehen am Boden", ruft sie. Schon geht es weiter, die Schrittfolgen zu Sequenzen klassischer Klaviermusik sind leicht und kurz, eine tänzerische Mischung aus Haltungstraining, Muskelaufbau und Dehnung. Wer fit werden will, ist hier richtig, schon bald röten sich die ersten Gesichter und fangen an zu glänzen. Trainingsort ist das etwa 100 Quadratmeter große Studio mit langer Spiegelwand und glänzendem weißen Tanzboden.

"Ein idealer Kurs, um den ganzen Körper zu trainieren", sagt die gebürtige Freisingerin. Ashton führt seit fast 30 Jahren das Studio in der Altstadtgalerie. Die Grundlage vieler Schritte des Bewegungstrainings sei zwar das Ballett, sagt sie, aber auch Menschen ohne tänzerische Vorkenntnisse seien jederzeit willkommen. "Das Niveau des Kurses richtet sich immer nach den Anwesenden." Die sind in dem Erwachsenenkurs zwischen 25 und 70 Jahre alt. Die 50-jährige Uta Bayer nutzt den Kurs, um fitter zu werden und ihre Rückenschmerzen zu lindern. Seit sie den Kurs macht, gehe es ihr besser, sagt sie. Ihr gefällt es sehr, dass er so "facettenreich" ist und nicht nur "Koordination, Balance und Kondition, sondern auch Kraft und Dehnung" im Training herausgearbeitet werden. Nach den Aufwärmübungen vor dem Spiegel dehnen sich die Frauen sitzend mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden. Ashton geht reihum und kontrolliert die Haltung der Teilnehmerinnen, drückt sanft den Oberkörper einer Tänzerin etwas tiefer, um die Dehnung zu intensivieren.

Dann folgen kleine tänzerische Schritte in der Mitte des Raums. Der Tanzlehrerin ist es wichtig, dass sich die Teilnehmer wohl fühlen. Gleichzeitig fordert sie jeden "nach den individuellen Fähigkeiten". Sie kennt alle ihre Tänzer mit Namen und untereinander kennen sie sich inzwischen teilweise auch. Ins Schwitzen jedenfalls geraten an diesem Dienstagmorgen alle Tänzerinnen und verschwinden nach der Stunde kichernd und schwatzend in der Umkleidekabine.

TWS Move

In der wohl bekanntesten Tanzschule Freisings in Lerchenfeld sieht man Tänzer, wohin man schaut: Im Standardtanzkurs nehmen gerade die ersten Paare Haltung an, im Nebenraum stellen sich sechs Tänzer in einer Reihe auf und proben Drehungen und Schritte. Im nächsten Raum, dem kleinsten der Schule, wärmen sich an diesem Dienstagabend acht junge Frauen beim Kurs "Dance and Workout" auf. Der 21-jährige Trainer Maximilian "Maxi" Schierl steht vorne, nah an der langen Spiegelwand und zeigt die Bewegungen. Die Musik ist laut und treibt an. Folgend auf den Grundschritt von rechts nach links zeigt er leicht variierende Armbewegungen. Die dienten gezielt dem Muskelaufbau, sagt der ausgebildete Tanzlehrer. Später, auf einer Matte auf dem Boden, machen die Teilnehmerinnen, die zwischen 15 und Mitte 20 sind, Liegestütze und Bauchmuskeltraining. Hier werden die Tänzerinnen gefordert: Wer hält die Sit-ups durch? Wieder aufgestanden folgen Dehn- und Streckübungen: mit gestreckten Beinen den Boden mit den Fingerspitzen berühren. Ein paar schielen nach links und rechts, wer kommt tiefer? Dann folgt der tänzerische Teil in einer kleinen Choreografie. "Nichts Schweres", sagt Schierl, der gerne ein paar Hip-Hop-Elemente in seine Übungen einbaut, "das ist eher ein Spaßtanz". Ein paar Mädchen kommen aus dem Takt, wischen sich den Schweiß aus der Stirn und steigen wieder ein. "Der Kurs ist ein komplettes Körperprogramm", sagt Schierl. Damit will er "Spaß an der Bewegung und ein gewisses Level an Fitness" vermitteln, sagt er, außerdem legt er Wert darauf, dass seine Schüler ihre Körperhaltung verbessern. Zum Schluss zeigt Schierl ein paar Entspannungsbewegungen: Alle lassen ihren Kopf hängen und rollen langsam mit dem Oberkörper ab und wieder auf und schon ist die Stunde um, ohne dass Zeit war, auf die Uhr zu schauen. Der Kurs ist schwungvoll und belebend - und der Muskelkater inklusive.

Lockere Kleidung

Für alle Kurse reicht lockere Sportkleidung. Beim TSZ- und TWS-Move-Kurs eignen sich Hallensportschuhe, beim Bewegungstraining genügen Strümpfe. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Termine: Tanzwerkstatt: Bewegungstraining, dienstags, 9 bis 10 Uhr, General-von-Nagel-Straße 4 c; TWS Move: Dance and Workout, dienstags/mittwochs, 18.30 bis 19.30 Uhr, Am Lohmühlbach 10; 1. Tanzsportzentrum Freising: Fit for Dance, mittwochs, 19 bis 20 Uhr, Schulstraße 10. clli